Die Einstell- und Prüfverfahren

  • Grundlagen

Bei den meisten der modernen Sprühgeräte für Raumkulturen kann und muss die Verteilung der Gebläseluft auf die Zielstrukturen eingestellt werden, um die durch die Düsen produzierten Tropfen mit dem Luftstrom zu einem möglichst hohen Anteil in die unterschiedlichen Baumkronen bzw. Weinstöcke und Beerensträucher zu transportieren. Dieser zielgerichtete Transport ist von fundamentaler Bedeutung für den Ausnutzungsgrad der versprühten Pflanzenschutzmittel: je mehr der versprühten Menge auf der Kulturpflanze ankommt und umso weniger diese verfehlt, desto weniger Pflanzenschutzmittel muss für den Schutz der Kulturpflanze aufgewendet werden und umso geringer sind auch deren unerwünschten Effekte.

Abb. 1: Luftleitblecht in einem Axialgebläse mit Querstromaufsatz. Das Leitblech wurde nach der erfolgreichen Enstellung der Luftverteilung mit einer zweiten Schraubverbindung (kleiner Schraubenkopf) gegen unbeabsichtigtes Verstellen gesichert.

Um die Luftverteilung verändern zu können, sind bei einigen Gebläsetypen Luftleiteinrichtungen in Form von Leitblechen und Klappen erforderlich, jedoch nicht immer auch vorhanden. Mit den in Axialgebläsen mit Querstromcharakteristik meist am oberen Ende des Gebläseturms angebrachten Klappen kann die Arbeitshöhe des Gebläses meist auf die Höhe der zu behandelnden Pflanzen eingestellt werden. Luftleitbleche, bei älteren Konstruktionen über den gesamten Gebläseauslass verteilt, bei neuesten Entwicklungen im Inneren des Gebläses angebracht, werden zur Ausrichtung des Luftstroms verwendet: mit ihnen soll der Luftstrom auf eine von oben bis unten gleichmäßige horizontale Reichweite gebracht werden. Bei einigen Gebläsen kann zusätzlich der Strömungswinkel in und gegen die Fahrtrichtung verstellt werden, um ein besseres Eindringen des Trägerluftstroms in die Zielstruktur zu ermöglichen. Diese hat sich in der Praxis, die in schlanken Zielstrukturen mit hohen Fahrgeschwindigkeiten arbeiten kann, jedoch nicht durchgesetzt, weil dieser Effekt zumindest gegen die Fahrtrichtung über die Fahrgeschwindigkeit selbst erreicht werden kann. Lediglich in hügeligem Gelände, wenn trotz schlanker Zielstrukturen keine hohen Fahrgeschwindigkeiten möglich sind und daher die horizontale Reichweite des  Trägerluftstroms selbst bei niedrigsten Drehzahlen noch zu hoch ist, hat eine Verlängerung der Strecke bis zur Penetration des Luftstroms in die Zielstruktur eine gewisse Berechtigung.

 

In der Vergangenheit wurden die Gebläse in der Obstanlage mit Wollfäden oder Flatterbändern eingestellt, die sich am Luftstrom ausgerichtet haben und so zumindest punktuell eine ungefähre Strömungsrichtung erkennen ließen. Eine abnehmende Intensität des Flatterns kann dabei als Anhaltspunkt für eine steigende Luftgeschwindigkeit gewertet werden. Allerdings ergeben diese Methoden lediglich flüchtige Momentaufnahmen und sind für eine Einstellung einer symmetrischen Rechteck-Luftverteilung als Voraussetzung der baumformangepassten Dosierung und Applikation sowie zur vergleichenden Beurteilung der Qualität der Luftverteilung verschiedener Gebläse nicht geeignet.

Diese Aufgabe übernimmt inzwischen ein speziell für diese Aufgabe entwickelter Luftprüfstand, der nicht nur die Luftverteilung misst, sondern diese auch graphisch darstellt und die Qualität der gemessenen Luftverteilung anhand einiger Grezwerte automatisch beurteilt. Da die Sprühgeräte in der Regel in mehreren unterschiedlichen Erziehungsformen der jeweiligen Kultur eingesetzt werden, stellt sich die Fage, auf welche Erziehungsform die Einstellung durchgeführt werden soll, so dass alle damit zu behandelnden Zielstrukturen vollständig erreicht werden. Eine Anpassung der Luftverteilung an jede Erziehungsform einer Kultur während der Applikation von Pflanzenschutzmitteln muss bei der baumformangepassten Applikation absolut unterbleiben, da die Luftverteilung extrem empfindlich auf geringste Störungen oder Veränderungen im gesamten luftführenden System des Gebläses reagiert. So wurden vielfach stark negative Einflüsse von Radien, Kanten, Querschnittsflächen, thermisch verformbaren und handgefertigten Bauteilen, minimalsten Verformungen durch das Ausrichten nach dem Verzinken und Schweißnähte im Bereich von Millimetern sowie Abweichungen bei der Montage festgestellt. Selbst die Oberflächenstruktur der Gebläsekästen und Luftleiteinrichtungen (verzinkt oder pulverbeschichtet bzw. Edelstahl)  hat einen erheblichen Einfluss auf  die Luftverteilung!

 

Bitte beachten:  Die Positionen von Klappen und Luftleitblechen, Trichtern und sonstiger Luftleiteinrichtungen dürfen nach der Einstellung auf dem Luftprüfstand unter keinen Umständen mehr verändert werden!!

 

Da die Arbeitshöhe und Luftverteilung eines Gebläses immer auf die Kombination aus Reihenabstand und Baumhöhe einer  Gruppe von Kombinationen (= Anlagen; die mit dem Sprühgerät behandelt werden sollen) eingestellt wird, die den höchsten Strömungswinkel erfordert, kommt es bei niedrigeren Zielstrukturen, die nicht die betriebsspezifisch maximale Arbeitshöhe des Gebläses erfordern, zu einer gewissen, leider unvermeidbaren  Verschwendung von Gebläseluft. Diese bewegt sich aufgrund den bei der  zielstrukturangepassten Applikation generell niedrigen Gebläsedrehzahlen jedoch auf einem mengenmäßig niedrigen Niveau.
Völlig anders stellt sich dagegen die Bereitstellung des Sprühnebels dar: hier müssen von oben herab alle Düsen geschlossen werden, die zur Behandlung einer Zielstruktur nicht benötigt werden!!

Die Konsequenz einer negativ verstellten Luftverteilung ist immer eine höhere Gebläsedrehzahl als nötig; mit allen negativen Folgen wie Zunahme von Abdrift, Dieselverbrauch und Lärmemissionen. Eine höhere Gebläsedrehzahl als erforderlich um den Sprühnebel in den Baum zu transportieren, führt zudem immer zu einer Verschlechterung der Effizienz der Belagsbildung, d.h. in Bezug zur Menge der Behandlungsflüssigkeit, die von den Düsen zerstäubt wird, wird ein geringerer Anteil an den Zielflächen angelagert, gleichzeitig aber der Anteil der Verluste durch Abdrift nach außerhalb der Anlage und Sediment in der Anlage erhöht.

 

Direkte und indirekte Einstellung der Arbeitshöhe

In Raumkulturen wird als Arbeitshöhe grundsätzlich die Höhe ab Bodenoberfläche bezeichnet, die der vom Gebläse produzierte Trägerluftstrom in einem gewissen Abstand – in der Regel der halbe Reihenabstand – vom Sprühgerät in nutzbarer Menge und Geschwindigkeit erreicht und der bei geöffneten Düsen mit Sprühnebel versetzt ist. Die Arbeitshöhe entspricht in der Regel der Höhe der zu behandelnden Zielstruktur – im Baumobstbau einschließlich! der Langtriebe am Gipfel.

Abb. 2: Direkte Einstellung der Arbeitshöhe: Standard-Messabstand bei direkter Einstellung der Arbeitshöhe. e) = Messabstand, B) = Arbeitshöhe, α = erforderlicher Strömungswinkel am oberen Ende des Gebläses, um die Arbeitshöhe B) zu erreichen

 

 

Direkte Einstellung der Arbeitshöhe

Um den größten Teil der mitteleuropäischen Kernobstanlagen mit Reihenabständen um 3,0 m sowie einen Großteil der Rebanlagen zu berücksichtigen, gut reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen und die Messergebnisse vergleichen zu können, wurde für das Baumobst ein genereller Messabstand von 1,5 m und für den Weinbau von 1,0 m festgelegt (Abb. 2). Damit wird die Luftverteilung theoretisch in der Mitte des Rebstockes bzw. des Baumes gemessen und eingestellt. Die real erforderliche Arbeitshöhe mit diesen Standardwerten wird somit direkt eingestellt, d.h. das Protokoll zeigt die tatsächliche Arbeitshöhe bei einem Reihenabstand von 3,0 m an.

 

 

Indirekte Einstellung der Arbeitshöhe

Da in der täglichen obstbaulichen Praxis immer eine Gruppe von Anlagen mit einem Gerät behandelt wird, deren individuelle Parzellen verschiedene Reihenabstände und Pflanzenhöhen aufweisen können, muss bei einer Einstellung der Luftverteilung gewährleistet sein, dass die Gebläseluft alle in der jeweiligen Gruppe enthaltenen Zielstrukturen bis in deren Gipfel sicher erreicht. Ausgehend vom obersten luftführenden Punkt einer jeden Seite des Gebläses ergibt sich daraus theoretisch in jeder Parzelle ein anderer Strömungswinkel der Gebläseluft, um die jeweilige Arbeitshöhe zu erreichen. Im Weinbau ist dies kaum von Bedeutung, da die Kulturpflanzen deutlich niedriger und einheitlicher in Kronenhöhe und -tiefe sind und auch die Reihenabstände ebenso deutlich geringer  gehalten werden.

Für eine einzelne Anlage wird dazu anhand der Gebläsegeometrie in einem ersten Schritt der Winkel α am obersten luftführenden Punkt des Gebläses errechnet, den der Trägerluftstrom dort aufweisen muss, um bei diesem Reihenabstand den obersten Punkt der Zielstruktur (Arbeitshöhe) zu erreichen. Über Winkelfunktionen wird dann in einem zweiten Schritt berechnet, wie hoch der Baum wäre, wenn er bei diesem Strömungswinkel auf einem Reihenabstand von 3,0 m bzw. 1,5 m Messabstand stehen würde.

Abb. 3: Prinzipzeichnung der indirekten Einstellung der Arbeitshöhe

Mit dieser virtuellen Baumhöhe wird die Luftverteilung des Gebläses auf diese nun niedrigere Arbeitshöhe eingestellt. Da der Luftstrom ohne natürliche Windeinflüsse außerhalb des Gebläses seine Strömungsrichtung (Winkel α) nicht mehr nennenswert ändert, kann die Luftverteilung von Sprühgeräten trotz des konstanten Messabstands von 1,5 m dennoch auf größere Reihenabstände und höhere Zielobjekte eingestellt werden (Abb. 3).
Wird daraufhin die Wasserverteilung am Lamellenprüfstand bei dem Messabstand des Luftprüfstands (1,5 m = 3,0 m Reihenabstand) überprüft, wird mit dem Sprühnebel die bei der Luftverteilung eingestellte Arbeitshöhe ebenfalls recht genau erreicht. Wird die Wasserverteilung zusätzlich mit einem Messabstand in Höhe des des halben Reihenabstands der tatsächlichen Parzelle nachgeprüft, wird damit die für die tatsächliche Kultur erforderliche Arbeitshöhe ebenfalls recht genau erreicht.
Dieses Verfahren entspricht einer indirekten Einstellung der Arbeitshöhe. Bei dem Beispiel in Abb. 4 wird bei einem Reihenabstand von 4,5 m und einer Baumhöhe von 4,0 m bei diesem Gebläse ein Strömungswinkel von 45° benötigt. Auf einen Reihenabstand von 3,0 m bzw. den Messabstand von 1,5 m umgerechnet, entspricht dies einer Baumhöhe von 3,2 m.

Abb. 4: Beispiel für die indirekte Einstellung der Arbeitshöhe:

Mit der Einstellung der Arbeitshöhe auf diesen Wert wird das Gebläse auf die bei dem großen Reihenabstand erforderliche Arbeitshöhe indirekt eingestellt.

 

Die in Abb. 5 dargestellte Einstellung der Luftverteilung auf die auf einen Reihenabstand von 3,0 m (=1,5 m Messabstand) umgerechnete Arbeitshöhe (linke Graphik) ergibt eine Wasserverteilung mit derselben Arbeitshöhe (rechte Graphik). Daten: Fa. Lochmann.

Abb. 5: Indirekte Einstellung der Arbeitshöhe: Daten: Fa. Lochmann.

 

 

 

 

 

 

 

Die nachfolgend in Abb. 6 dargestellte Überprüfung der Wasserverteilung mit dem für den realen Reihenabstand erforderlichen Messabstand anhand der indirekten Einstellung der Luftverteilung (linke Graphik) ergibt auch für die

Abb. 6: Indirekte Einstellung der Arbeitshöhe: Die Überprüfung der indirekten Einstellung der Luftverteilung ergibt auch bei der Messung der Flüssigkeitsverteilung mit halbem realem Reihenabstand die geforderte Arbeitshöhe.

Wasserverteilung die für die Kultur erforderliche Arbeitshöhe von 4,0 m (rechte Graphik). Daten: Fa. Lochmann

 

 

 

Werden diese Berechnungen nun für alle Anlagen der Gruppe durchgeführt, die mit dem zukünftigen Sprühgerät behandelt werden sollen, weist mindestens eine Anlage den höchsten Strömungswinkel auf, der erforderlich ist, um den Gipfel der zugehörigen Zielstruktur zu erreichen (Abb. 7). Wird die Arbeitshöhe des Gebläses auf diesen Strömungswinkel bzw. die daraus bei einem Messabstand von 1,5 m resultierende Baumhöhe – in diesem Beispiel auf 52° bzw. 3,6 m – eingestellt, können alle anderen Baumformen dieser Gruppe von Anlagen mit dieser Luftverteilung ebenfalls behandelt werden, da bei diesen niedrigere

Abb. 7: Beispiel für die Ermittlung des höchsten erforderlichen Strömungwinkels und der zugehörigen Arbeitshöhe bei einem Messabstand von 1,5 m aus einer Gruppe von Anlagen, die mit dem neuen Sprühgerät behandelt werden sollen.

Strömungswinkel erforderlich wären; obwohl diese Bäume – bei größerem Reihenabstand – sogar höher sein können als diejenigen, auf die die Arbeitshöhe eingestellt wurde.

 

 

 

Liegen diese Daten (Abb. 8) bei der Bestellung des Sprühgerätes vor, kann die Luftverteilung eines Gebläses von einer neutralen Prüfstelle bzw. Herstellerprüfstelle eingestellt werden, wenn dessen Konstruktion dies zulässt. Diese Einstellung der Luftverteilung lässt sich in zwei Kategorien einteilen: die Kundengeräteprüfung und die Typenprüfung.

 

 Kundengeräteprüfung

Die Kundengeräteprüfung wird im Auftrag eines potenziellen Kunden (Käufers) oder des Besitzers eines Sprühgerätes durchgeführt. Anlass ist in den weitaus meisten Fällen der geplante Neukauf eines Sprühgerätes. Da die Einstellung und Überprüfung der Luftverteilung für Sprühgeräte in Raumkulturen einen noch freiwilligen Schritt darstellt, muss der potenzielle Kunde vor dem Kauf aktiv werden und mit dem Handelsunternehmen bzw. Sprühgerätehersteller eine Einstellung und Überprüfung der Luftverteilung nach den Spezifikationen des Käufers vereinbaren.

Abb. 8: Auszug aus dem Formular zur Ermittlung des erforderlichen maximalen Strömungswinkels für die Einstellung der Arbeitshöhe für eine Gruppen von Parzellen, die mit dem eingestellten Sprühgerät bearbeitet werden sollen.

Kernpunkt dieser Vereinbarung muss der Kauf auf Überprüfung sein, d.h. der Kaufvertrag zwischen Kunde und Handelsunternehmen bzw. Sprühgerätehersteller gilt erst als abgeschlossen, wenn die Überprüfung der direkten oder indirekten Einstellung einer symmetrischen Rechteckverteilung nach Vorgabe des Kunden bezüglich Arbeitshöhe und ggf. Reihenabstand durch ein positives Prüfprotokoll mit der individuellen Prüfnummer der vergebenen Prüfplakette erfolgreich bestätigt ist und die AirCheck®-Prüfplakette mit dieser Prüfnummer an dem Sprühgerät angebracht ist.

 

Erster Schritt einer Kundengeräteprüfung nach der Positionierung des Sprühgerätes mit einem Abstand von 1,5 m zwischen Messfeld und Gebläsenabe vor dem Luftprüfstand ist eine Überprüfung, ob der gesamte Luftstrom einer Gebläseseite innerhalb des Messfeldes von 2, 0 x 5,0 m (B x H) liegt. Ist dies der Fall, wird das Messfeld horizontal und vertikal eingeengt, um den Zeitbedarf der Messung zu minimieren. Anschließend werden die Luftverteilungen beider Gebläseseiten gemessen und in einem Eingangsprotokoll („Mit Messwerten vor durchgeführten Änderungen“) gespeichert und ausgedruckt.

Anhand des Eingangsprotokolls wird bei Axialgebläsen mit Querstromaufsatz nun in einem ersten Arbeitsschritt die Arbeitshöhe der ersten Gebläseseite durch Verstellen der obersten Klappen eingestellt. Bei Gebläsen mit Schlauchsystem wird hierzu der oberste Ausbläser in seinem vertikalen Winkel soweit verändert, bis das Prüfprotokoll die erforderliche Arbeitshöhe anzeigt. Ist diese eingestellt, werden bei Axialgebläsen mit Querstromaufsatz die Positionen und Winkel der vorhandenen Leitbleche so lange verändert bzw. diese gelegentlich auch entfernt, bis die nach jeder Veränderung durchgeführte Kontrollmessung die erforderliche Rechteckverteilung anzeigt. Bei Gebläsen mit Schlauchsystemen bzw. Ausbläsern werden diese zuerst von unten nach oben mit zunehmendem Winkel nach oben verstellt und – ähnlich wie bei Flachstrahldüsen – um etwa 10° aus der Vertikalen gekippt, um Lücken im Trägerluftstrom zwischen zwei Ausbläsern zu vermeiden und eine gegenseitige Beeinflussung der Luftvolumenströme der einzelnen Ausbläser zu minimieren. Durch weitere Verstellung einzelner Ausbläser werden Lücken zwischen diesen möglichst geschlossen bis eine Rechteckverteilung erreicht ist, welche die Grenzwerte der AirCheck®-Richtlinien für eine Rechteckverteilung erfüllt. Jede Veränderung von Luftleiteinrichtungen im Rahmen der Einstellung wird durch ein eigenes Protokoll dokumentiert, anhand derer der Verlauf der Einstellung nachvollzogen werden kann.

Um diese Einstellarbeiten möglichst zeitsparend durchzuführen, werden die Kontrollmessungen nach einer Veränderung als Segmentmessung durchgeführt, d.h. die gesamte Messhöhe von 5 m wird in zwei Segmente von meist 0,3 bis 2,5 m und 2 – 4,5 oder 2,5 – 5 m Höhe aufgeteilt. Zusätzlich wird jede Messung manuell beendet, sobald der Luftvolumenstrom des Gebläses in dem Segment durch eine Schicht an Umgebungsluft umhüllt und damit vollständig erfasst ist. Dadurch wird der Zeitbedarf für einen Einstellungsschritt auf wenige Minuten reduziert. Ergibt das Protokoll der Segmentmessung eine passende Rechteck-Luftverteilung (der nutzbare Luftvolumenstrom befindet sich weitestgehend innerhalb des vom gesamten nutzbaren Luftvolumenstroms abhängigen, dynamischen Korridors) wird eine Messung der kompletten Gebläseseite durchgeführt. Werden die Grenzwerte der  AirCheck®Richtlinien für eine Rechteckverteilung auf dieser Gebläseseite eingehalten (alle Parameter im Prüfprotokoll sind grün unterlegt), wird das Sprühgerät gedreht und die zweite Gebläseseite nach demselben Muster vermessen und eingestellt. Werden auch hier die Grenzwerte eingehalten, zeigt das Prüfprotokoll die Überprüfung als bestanden an und die laufende Nummer der Prüfplakette wird vor dem Ausdruck des Ausgangsprotokolls eingetragen und die Plakette am Sprühgerät angebracht. Um bei Axialgebläsen mit Querstromaufsatz ein zufälliges Verstellen der Klappen und Leitbleche zu vermeiden, werden diese zusammen mit der Gebläserückwand durchbohrt und zusätzlich verschraubt.

 

Typenprüfung

Um ein Gebläse mit Querstrom-Charakteristik für die baumformangepasste Dosierung und Applikation mit ihren enormen Vorteilen nutzen zu können, muss ein Gebläsetyp eines interessierten Herstellers in einer Typenprüfung auf einem Luftprüfstand* („WP5000“; Fa. Herbst Prüftechnik) den Nachweis erbringen, dass die Luftverteilung des Gebläses auf eine symmetrische Rechteckverteilung eingestellt werden kann, die durch die aktuellen AirCheck®-Richtlinien definiert wird. Dazu wird ein Gebläse einem Test mit vier Schritten unterzogen*.

Schritt 1: Es wird bei dem Standard-Messabstand von 1,5 m (= Reihenabstand 3,0 m) die maximale Arbeitshöhe ermittelt und anschließend versucht, bei dieser eine symmetrische Rechteckverteilung der Gebläseluft einzustellen. Diese Einstellung verläuft prinzipiell nach demselben Muster wie eine  Kundengeräteprüfung über die gezielte Verstellung der Luftleiteinrichtungen und der Überprüfung ihrer Auswirkungen durch Protokolle. Der einzige Unterschied zu einer Kundengeräteprüfung ist, dass bei der Messung einer kompletten Gebläseseite die maximal mögliche Breite und Höhe des Messfeldes verwendet wird.

Kann bei dem Gebläsetyp eine symmetrische Rechteckverteilung nicht eingestellt werden (negatives Prüfprotokoll), muss das Gebläse durch den Hersteller – möglichst auf dem Luftprüfstand – konstruktiv überarbeitet und anschließend erneut eingestellt und überprüft werden.

Kann eine symmetrische Rechteckverteilung der Gebläseluft eingestellt werden (positives Prüfprotokoll), ist der Gebläsetyp für die Einstellung einer symmetrischen Rechteckverteilung der Gebläseluft prinzipiell geeignet und die weiteren Stufen des Prüfverfahrens werden durchlaufen.

Schritt 2: Es werden die Luftverteilungen des Gebläsetyps bei einer Zapfwellendrehzahl von 300 min-1 in Gebläsestufe I, 460min-1 in Gebläsestufe II (= Prüfdrehzahl) und bei 540 min-1 in Gebläsestufe II gemessen.

Schritt 3: Es werden die Energieverbräuche des Gebläses bzw. des Sprühgerätes (bei 0 bar Pumpendruck) an der Zapfwelle bei den Zapfwellendrehzahlen 300 min-1 in Gebläsestufe I, 460 min-1 in Gebläsestufe II (= Prüfdrehzahl) und 540 min-1 in Gebläsestufe II gemessen.

Schritt 4: Es werden die Lärmemissionen des Gebläses bzw. des Sprühgerätes (bei 0 bar Pumpendruck) bei den Zapfwellendrehzahlen 300 min-1 in Gebläsestufe I, 460 min-1 und 540 min-1 jeweils in Gebläsestufe II  nach einem standardisierten Verfahren in dB (A) gemessen.

Aus den Messergebnissen der Typenprüfung sowie den Werten für „gesamter Luftvolumenstrom“, „nutzbarer Luftvolumenstrom, „Arbeitshöhe“, „maximaler Strömungswinkel auf Arbeitshöhe“ aus den Protokollen der Typenprüfung werden weitere Kennzahlen ermittelt, die in der nachfolgenden Tabelle gelistet sind. Ergänzt werden diese um die Abdriftminderungsklasse des Gebläsetyps anhand der namentlichen Eintragung des Gebläsetyps bzw. der Einstufung des Gebläsetyps anhand namenloser Eintragungen in dem jeweils aktuellen „Offizielles Verzeichnis verlustmindernder Geräte“ der Abteilung „Anwendungstechnik“ des Julius-Kühn-Instituts, Braunschweig. Abschließend wird das Gebläse noch in eine der drei AirCheck®-Qualitätsklassen der Luftverteilung (HEAT-Technologie; Verlustarm Sprühen, Luftverteilung) eingestuft.

Mit diesen Daten, vervollständigt mit Herstellernamen und Gebläsebezeichnung, wird das erfolgreich geprüfte Gebläse in die aktuelle Positivliste übernommen.

Wird ein Gebläsetyp nach einer erfolgreichen Typenprüfung konstruktiv verändert, muss für eine Aufnahme in die Positivliste eine erneute Typenprüfung durchgeführt werden.

 

In der Positivliste verwendete Kennzahlen

* Typenprüfungen auf Luftprüfständen „WP5000“ von Sprühgeräte-Herstellern sind zulässig, wenn die Typenprüfung durch das Personal einer neutralen Prüfstelle mit deren Prüfrechner durchgeführt wird und die Protokolle der Typenprüfung die Anschrift der durchführenden neutralen Prüfstelle, den Namen des Prüfers, das Logo der neutralen Prüfstelle sowie das Logo der AirCheck®-Initiative enthalten.

** Auf dem Luftprüfstand werden Luftgeschwindigkeit und Strömungsrichtung in 1,5 m Abstand zur Gebläsenabe bzw. Gebläsemitte gemessen, woraus anschließend der Luftvolumenstrom erechnet wird. Da der Luftvolumenstrom auf der Strecke vom Luftaustritt am Gebläse bis zum Messfeld bzw. Bauminneren ein erhebliches Volumen an Umgebungsluft mit sich reißt, werden auf dem Luftprüfstand in 1,5 m Messabstand (= 3,0 m Reihenabstand) erheblich höhere Luftvolumenströme als bei der klassischen Messung entweder direkt am Luftauslass oder über den Ansaugquerschnitt des Gebläses gemessen!

 

Mit den aus den Typenprüfungen ermittelten Kennzahlen können Gebläse für Raumkulturen erstmals umfassend beurteilt und verglichen werden, was bislang nicht möglich war, da höchstens Daten zur Luftleistung und Leistungsaufnahme verfügbar waren. Zusammen mit weiteren wichtigen Daten aus den Prüfprotokollen der Typenprüfung stehen dem potenziellen Käufer nun erstmals alle erforderlichen Informationen zur Verfügung, anhand derer das für einen geplanten Anwendungszweck unter eventueller Berücksichtigung von Dieselverbrauch, Energieeffizienz und Lärrmemissionen für den Betrieb am besten geeignete Gebläse ermittelt werden kann.

Die Positivliste wird bei Bedarf aktualisiert.

Bitte unbedingt beachten:

Die erfolgreiche Typenprüfung und die Listung eines Gebläses in der AirCheck®-Positivliste sind ausschließlich auf den Gebläsetyp bezogen und auf keinen Fall auf das einzelne Gebläse aus der Serienfertigung übertragbar! Die Weitergabe kopierter Protokolle der Typenprüfungen aus der Positivliste als Nachweis für eine optimierte Luftverteilung eines Praxisgerätes ist daher in keinem Fall zulässig (siehe „Anmerkungen zum Kauf von Sprühgeräten mit eingestellter und überprüfter Luftverteilung„).

Aufgrund unvermeidlicher Abweichungen und Toleranzen bei Fertigung und Montage ist jedes Gebläse bezüglich seiner Luftverteilung ein Individuum und erfordert daher eine individuelle Einstellung aufgrund seiner Eigenschaften und der Anforderungen des Käufers in Bezug auf die Arbeitshöhe. Diese Einstellung setzt sich zusammen aus

  • der individuellen Einstellung der Arbeitshöhe auf die Höhe der mit dem Gebläse zu behandelnden Kulturen im Betrieb eines Käufers und
  • der Neu-Ausrichtung und Nivellierung des vom Gebläse produzierten Luftvolumenstroms innerhalb der erforderlichen Arbeitshöhe im Betrieb des Käufers

Aus diesen Gründen ist es unbedingt erforderlich, dass Sie bei der Bestellung eines Sprühgerätes Ihre vollständige Adresse und die Kombinationen aus Reihenabstand und Baumhöhe (nicht Kronenhöhe!!!) der Anlagen, die mit dem zukünftigen Sprühgerät behandelt werden sollen, in das Formular für die Erfassung der Anlagendaten eintragen und Ihrem Handelsunternehmen bzw. Hersteller bei der Bestellung mit abgeben. Beide Informationen sind für eine korrekte und personalisierte Einstellung und deren Dokumentation in den Prüfprotokollen unbedingt erforderlich.

 

 

Die AirCheck®-Positivliste 2018

  • In der zum Download bereitstehenden Version der aktuellen Positivliste sind die bislang erfolgreich getesteten Gebläsetypen, aufsteigend sortiert nach maximaler Arbeitshöhe, maximalem Strömungswinkel und Hersteller, gelistet. In der Basisdarstellung der Positivliste auf dieser Website sind die Gebläse nach Hersteller alphabetisch sortiert, können aber zusätzlich nach einigen weiteren Kriterien sortiert werden.
  • Die in der Positivliste angegebenen Werte basieren auf der Prüfdrehzahl 460 min-1 in Getriebestufe II bzw. 67% des nutzbaren Drehzahlbereichs zwischen 300 min-1 in Getriebestufe I und 540 min-1 in Getriebestufe II sowie einem Messabstand von 1,5 m; entsprechend einem Standard-Reihenabstand von 3,0 m. Für die Einstellung der Luftverteilung sind mindestens Reihenabstand und Baumhöhe einer Anlage erforderlich. Optimalerweise sollten die Kombinationen von Reihenabstand und Baumhöhe der Anlagen, die mit dem zukünftigen Sprühgerät behandelt werden sollen, in das Formular für die  Erfassung der Anlagendaten (siehe Abschnitt „Bitte unbedingt beachten!“) eingetragen werden. Damit wird die Arbeitshöhe auf die Anlage eingestellt, die den höchsten Strömungswinkel erfordert.
  • Werte mit Bezug zum Dieselverbrauch sind bei einem angenommenen energetischen Wirkungsgrad des Schleppers von 30% als Dieselverbrauch ab Schlepper-Tank, Daten mit Bezug zur Leistungsaufnahme ab Zapfwelle berechnet.
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