Die Plakette

Warum eine Prüfplakette?

Die Einstellung der Luftverteilung von Sprühgeräten für Raumkulturen unter dem Begriff AirCheck® ist eine freiwillige Initiative der obstbaulichen Praxis durch die Marktgemeinschaft Bodenseeobst eG, Friedrichshafen und der Forschung im Weinbau durch das Institut für Technik der Hochschule Geisenheim University, Geisenheim, für mehr Umweltschutz im Pflanzenschutz.

Um dem potenziellen Käufer oder Eigentümer eines nach der AirCheck®-Richtlinie für eine optimierte Luftverteilung im Obst- und Weinbau sowie Strauchbeeren und nach seinen Vorgaben zur Arbeitshöhe eingestellten und kontrollierten Gebläses die Gewähr für eine Original-Einstellung und erfolgreiche Kontrolle durch die neutralen Prüfstellen und die Hersteller-Prüfstellen zu geben, wird direkt nach der Einstellung und bestandener Überprüfung der eingestellten Arbeitshöhe und der symmetrischen Rechteck-Verteilung eine Prüfplakette mit fortlaufender Prüfnummer vergeben, am Sprühgerät angebracht und deren Prüfnummer im Prüfprotokoll mit aufgeführt.

Die in der auf dem Sprühgerät angebrachten Plakette ausgestanzte Jahreszahl und die eingedruckte Prüfnummer müssen mit den im positiven Prüfprotokoll (nach der Einstellung) angegebenen Werten der Jahreszahl des Prüfdatums und der Prüfnummer übereinstimmen.

Weiterhin wird auf der Plakette durch Ausstanzen des zutreffenden Parameters festgelegt, nach welchen Prüfkriterien (Obst- oder Weinbau) das Gebläse eingestellt und für welche Qualität der Applikation von Pflanzenschutzmitteln das individuelle Gebläse geeignet und vorbereitet ist: Das Beste = „HEAT-Technologie“; Der Standard = „Verlustarm Sprühen“; Der Einstieg = „Luftverteilung“.

Mit der Vergabe der Prüfplakette mit fortlaufender Prüfnummer sollen zusätzlich die missbräuchliche Verwendung von (kopierten) Prüfprotokollen ohne entsprechende Einstellung und Kontrolle durch fremde Hersteller erschwert und die Aktivitäten der Initiative nach außen dokumentiert werden.

 

Die Prüfplakette

 

 

 

 

Die AirCheck®-Qualitätsstufen

1) HEAT-Technologie (High End Application Technique)

 

Das Beste

  • Gebläsetyp mit Querstrom-Charakteristik – für die klassische Abdriftminderung über eine Komplettbestückung mit abdriftmindernden Düsen, ggf. Vorrichtung zur Unwirksammachung der gewässerseitigen Luftunterstützung bzw. Luftmengenregelung und den jeweiligen Verwendungsbestimmungen mindestens in der 90% Klasse in dem „Verzeichnis verlustmindernde Geräte“ des Julius-Kühn-Institut Braunschweig, namentlich eingetragen
  • Gebläsetyp in der AirCheck®-Positiv-Liste bei maximaler Arbeitshöhe mit maximalem Strömungswinkel ≤ 40° eingetragen
  • Einstellung des Gebläses auf die betriebsspezifisch erforderliche Arbeitshöhe mit erfolgreicher Überprüfung der symmetrischen Rechteckverteilung der Gebläseluft vor dem Kauf eines neuen oder gebrauchten Sprühgerätes. Eine Einstellung auf eine Arbeitshöhe kleiner als den maximalen Wert reduziert den Strömungswinkel und damit das Abdriftpotenzial weiter.
  • Bei einer zusätzlichen Eintragung des Gebläses in die 75%-Abdriftminderungsklasse des Julius-Kühn-Institut Braunschweig müssen Dosierung und Applikation nach dieser Eintragung erfolgen

 

2) Verlustarm Sprühen

 

Der Standard

  • Gebläsetyp mit Querstrom-Charakteristik – für die klassische Abdriftminderung über eine Komplettbestückung mit abdriftmindernden Düsen, ggf. Vorrichtung zur Unwirksammachung der gewässerseitigen Luftunterstützung bzw. Luftmengenregelung und den jeweiligen Verwendungsbestimmungen mindestens in der 90% Klasse in dem „Verzeichnis verlustmindernde Geräte“ des Julius-Kühn-Institut Braunschweig, namentlich eingetragen
    und
  • Gebläsetyp in der AirCheck®-Positiv-Liste mit maximalem Strömungswinkel > 40° auf maximaler Arbeitshöhe eingetragen
    und
  • Einstellung des Gebläses auf die betriebsspezifisch erforderliche Arbeitshöhe mit erfolgreicher Überprüfung der symmetrischen Rechteckverteilung der Gebläseluft vor dem Kauf eines neuen oder gebrauchten Sprühgerätes. Eine Einstellung auf eine Arbeitshöhe kleiner als den maximalen Wert reduziert den Strömungswinkel und damit das Abdriftpotenzial weiter.

 

3) Luftverteilung

 

Der Einstieg*

  • Gebläsetyp mit Querstrom-Charakteristik – für die klassische Abdriftminderung über eine Komplettbestückung mit abdriftmindernden Düsen, ggf. Vorrichtung zur Unwirksammachung der gewässerseitigen Luftunterstützung bzw. Luftmengenregelung und den jeweiligen Verwendungsbestimmungen nicht! mindestens in der 90% Abdriftminderungsklasse des „Verzeichnis verlustmindernde Geräte“ des Julius-Kühn-Institut Braunschweig eingetragen
    und
  • Gebläsetyp in der AirCheck®-Positiv-Liste eingetragen
    und
  • Einstellung des Gebläses auf die betriebsspezifisch erforderliche Arbeitshöhe mit erfolgreicher Überprüfung der symmetrischen Rechteckverteilung der Gebläseluft vor dem Kauf eines neuen oder gebrauchten Sprühgerätes. Eine Einstellung auf eine Arbeitshöhe kleiner als den maximalen Wert reduziert den Strömungswinkel weiter und damit das Abdriftpotenzial zunehmend stärker.
  •  

    Selbst in dieser Basis-Kategorie eingetragene Gebläse erfüllen die Anforderungen der AirCheck®-Initiative an eine gute Luftverteilung und weisen daher eine Qualität der Luftverteilung entsprechend mindestens der Klasse „Verlustarm Sprühen“ auf.
    Eine Einstufung mindestens in die Klasse „Verlustarm Sprühen“ ist nur aufgrund fehlender Eintragung für die klassische Abdriftminderung über eine Komplettbestückung mit abdriftmindernden Düsen, Vorrichtung zur Unwirksammachung des gewässerseitigen Luftunterstützung bzw. Luftmengenregelung und den jeweiligen Verwendungsbestimmungen mindestens in die 90% Abdriftminderungsklasse des „Verzeichnis verlustmindernde Geräte“ des Julius-Kühn-Institut Braunschweig  nicht möglich.

     

    * In dieser Qualitätsklasse können vorübergehend auch neuentwickelte Gebläsetypen gelistet sein, die aufgrund einer erfolgreich bestandenen Typenprüfung und der Qualität ihrer Luftverteilung in die AirCheck®-Qualitätsklassen „Verlustarm Sprühen“ oder „HEAT-Technologie“ eingestuft werden müssen, sich aber noch im Anerkennungsverfahren des JKI für die offizielle Abdriftminderung und daher noch nicht im „Verzeichnis verlustmindernde Geräte“ des Julius-Kühn-Institut Braunschweig eingetragen sind. Diese Gebläsetypen werden in die entsprechenden AirCheck®-Qualitätsklassen aufgenommen, sobald diese für die klassische Abdriftminderung mindestens in der 90%-Abdriftminderungsklasse des „Verzeichnis verlustmindernder Geräte“ des JKI Braunschweig gelistet sind bzw. zusätzlich die Voraussetzung (Strömungswinkel 40°, zusätzliche Eintragung des Gebläses mindestens in die 75%-Abdriftminderungsklasse des Julius-Kühn-Institut Braunschweig mit entsprechender Dosierung und Applikation nach JKI) für eine Eintragung in die Qualitätsklasse „HEAT-Technologie“ erfüllen.

     

    4) Ungeeignete Gebläse

    Aufgrund ihres Konstruktionsprinzips generell nicht auf eine symmetrische Rechteckverteilung einstellbar sind Gebläse mit theoretisch punktförmiger Luftquelle und damit radialer Luftverteilung, wie sie z. B. offene Axialgebläse ohne Querstromaufsatz sowie Radialgebläse mit einzelnen Ausbläsern pro Gebläseseite darstellen.

    Offene Axialgebläse sind z. T. mit einem Stator (direkt hinter dem Lüfter fest eingebaute radial verlaufende Leitbleche) ausgerüstet, um den Drall des Axialgebläse etwas zu korrigieren, gelegentlich auch mit zwei Klappen am Scheitelpunkt des Gebläses für eine Einstellung der Arbeitshöhe, weisen ansonsten jedoch keine bzw. keine wirksamen Luftleiteinrichtungen auf. Aber auch die Klappen können wirkungslos sein, wenn diese so konstruiert sind, dass der Trägerluftstrom nicht umgelenkt wird, sondern diese als Hindernis weitestgehend umströmt. Mit diesen eventuell vorhandenen Luftleiteinrichtungen kann die Luftverteilung von Gebläsen mit einer radialen Luftverteilung in keinem Fall auf eine vertikale Zielstruktur eingestellt und auch im Betrieb durch Drehzahl und Fahrgeschwindigkeit nicht an eine solche angepasst werden, da sich die Arbeitshöhe dieser Gebläse mit deren Drehzahl verändert.
    Wenn ein Gebläse mit radialer Luftverteilung bei einer bestimmten Fahrgeschwindigkeit so eingestellt wird, dass der Trägerluftstrom den Gipfelbereich einer Zielstruktur gerade erreicht, benötigt dieses bei gleicher Fahrgeschwindigkeit eine um ca. 30% höhere Drehzahl als ein Gebläse mit gleichem Axiallüfter, aber mit wirksamem Querstromaufsatz. Entsprechend der höhere erforderlichen Drehzahl  verbrauchen Gebläse mit punktförmiger Luftquelle für ein schlechteres Applikations-Ergebnis mehr Treibstoff und produzieren mehr Lärm. Durch ihren besonders im oberen Bereich stark steigenden Strömungswinkel führen sie mit zunehmender Arbeitshöhe zu einer immer stärkeren Überbelegung der Blattunterseite und einer zunehmenden Unterbelegung auf der Blattoberseite. Dies  kann bei diesen Gebläsen nur dadurch einigermaßen korrigiert werden, indem deutlich über die Zielstruktur hinaus appliziert wird, sodass Tropfen auf die Blattoberseiten sedimentieren und auf diese Weise im Gipfelbereich einen gewissen Belag auf der Blattoberseite produzieren. Damit nimmt aber die Abdrift erheblich zu, die Effizienz der Belagsbildung sowie die Belagsqualität und die mögliche Fahrgeschwindigkeit erheblich ab.
    Diese erheblich schlechtere Belagsbildung vor allem im Gipfelbereich der Zielstrukturen ist weit verbreitete Ursache von hausgemachtem Befall mit Schadorganismen im Gipfelbereich der – im Vergleich zur Bauhöhe des Gebläses oft auch noch viel zu hohen – Zielstrukturen, die damit behandelt werden.  Die Obergrenze der Arbeitshöhe bei einem Reihenabstand von ca. 3,0 m, ab der eine hochwertige, ressourcen- und umweltschonende Applikation von Pflanzenschutzmitteln nicht mehr möglich ist, kann mit 3,5 m – inclusive vegetative Triebe! – angenommen werden.

    Somit schneiden Gebläse mit punktförmiger Luftquelle und radialer Luftverteilung nicht nur bei Belagsbildung und Abdrift um Welten schlechter ab als Gebläse mit Querstrom-Charakteristik; auch bei Energieverbrauch und Lärmemissionen lassen sich keine Vorteile finden. In der Schlussfolgerung kann mit ihnen keiner der Vorteile einer baumformangepassten Dosierung und Applikation genutzt werden.

AirCheck